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Das Feld der Namenlosen

Keine Grabstätte zu besitzen, war für den antiken Menschen ein unerträglicher Gedanke. Niemanden zu haben, der die Erinnerung
garantierte, hieß, schon im Leben tot zu sein.

Selbst für Sklaven und Abhängige musste der Grundherr eine würdige Beerdigung und das Totengedenken garantieren.

Ob französische Revolution oder nationalsozialistische Diktatur, stets
waren die Gräber ihre ersten Opfer. Mit der Zerstörung der letzten
Ruhestätte wollte man die Toten in die Vergessenheit stoßen, ihnen
ihre Identität und ihr Andenken rauben.

In der heutigen Zeit vollzieht sich ein Wertewandel in unserer
Gesellschaft. An Stelle der Erinnerung tritt immer häufiger das Vergessen.

Aus unterschiedlichen Gründen lassen sich heute die Menschen
zunehmend unter dem grünen Rasen anonym beerdigen und verzichten
damit auf ein Grabmal und ein Zeugnis Ihres Lebens.

Die Beisetzung erfolgt so, dass Verstorbene ohne Trauerfeier und ohne Beteiligung Angehöriger auf dem "Feld der Namenlosen" bestattet werden.

 

Verlorener Ort der Trauer

Die Entscheidung für eine anonyme Bestattung sollte deshalb gut
überlegt sein, denn allzu oft vermissen die Hinterbliebenen später den individuellen Ort, an dem sie trauern, dem Verstorbenen nah sein und
Blumen niederlegen können. Ein individuelles Grab als Stätte der
Erinnerung und des Gedenkens ist hier für immer verloren.

Es gibt keinen Ort mehr, wohin die Menschen ihre Trauer, ihre Hoffnung
und ihre Liebe tragen können. Wer einmal erlebt hat, mit welcher
Hingabe eine alte Frau das Grab ihres Mannes pflegt, oder Eltern das
Grab ihres verstorbenen Kindes schmücken, der begreift, dass das Grab
Ort der Trauer und Kraftquelle für die Lebenden ist. An diesem Platz
finden wir Ruhe, Erinnerung und Trost.

Der geliebte Verstorbene bleibt weiterhin sichtbar ein Teil unseres Lebens.

Durch eine liebevolle Pflege des Grabes können wir die innere
Verbundenheit mit unseren Verstorbenen zum Ausdruck bringen und
erhalten. Selbst wenn wir bedingt durch einen Ortswechsel oder
Zeitmangel nicht in der Lage sind, das Grab zu pflegen, garantieren Friedhofsgärtner durch ihre Arbeit das würdige Gedenken an unsere Verstorbenen.

Die einmal getroffene Entscheidung lässt sich nicht revidieren.

Dafür, dass unsere Friedhöfe auch in Zukunft lebenswerte Stätten der Begegnung und Erinnerung bleiben, werden Friedhofsträger, Pfarrer,
Bestatter, Steinmetze und Friedhofsgärtner auch in Zukunft sorgen.

 

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